Obdachlosigkeit unter Jugendlichen

Obdachlosigkeit unter Jugendlichen

Nachdem wir uns im letzten Beitrag allgemein mit der Obdachlosigkeit in Deutschland beschäftigt haben, wollen wir diesmal die Obdachlosigkeit unter Jugendlichen genauer betrachten. Die meisten von uns sind Jugendliche oder junge Erwachsene weshalb wir euch ein Bild davon machen wollen wie diese Umstände in frühen Jahren zustande kommen und welche Folgen sie haben.

 

Minderjährige und Junge Erwachsene unter den Obdachlosen

Die Obdachlosigkeit in jungen Jahren wird in zwei Altersgruppen unterteilt, zum einen die Minderjährigen, die sogenannten Straßenkinder und zum anderen die jungen Erwachsenen. Als Straßenkinder gelten alle Kinder und Jugendliche, die unter 18 sind und entweder obdachlos, von zu Hause weggelaufen sind oder ohne Angehörige sind und somit für sich selbst sorgen müssen. Die jungen Erwachsenen fallen unter die gleiche Definition, sind jedoch zwischen 18 und 27 Jahre alt. Jedoch wird im Folgenden keine Unterscheidung zwischen den Altersgruppen vorgenommen, da die Ursachen und Folgen beider Gruppen relativ ähnlich sind.

 

Wie auch bei der allgemeinen Obdachlosigkeit gibt es auch für jugendliche Obdachlose keine offiziellen Statistiken. Eine Organisation, die sich für Straßenkinder und junge Obdachlose einsetzt ist Off Road Kids, welche wir euch in einem separaten Beitrag näher bringen werden. Laut Off Road Kids, geraten ca. 2500 Kinder und Jugendliche pro Jahr auf die Straße. Während die meisten ihren Weg wieder zurückfinden, schaffen es ca. 300 Kinder und Jugendliche nicht und verbleiben in der Obdachlosigkeit.

 

Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts leben ca. 7000 Kinder und Jugendliche auf der Straße, zählt man hingegen die wohnungslosen dazu sind es sogar 37.000.

Den Unterschied zwischen den Begriffen „wohnungslos“ und „obdachlos“ könnt ihr euch in unserem letzten Beitrag nochmal durchlesen.

 

Obdachlosigkeit unter Jugendlichen

Wie kann es sein, dass Kinder und Jugendliche obdachlos werden?

Jeder von uns hatte schon einmal Ärger im Elternhaus und uns ist vielleicht auch schon mal der Gedanke gekommen von Zuhause abzuhauen, aber wirklich ernst genommen haben die meisten diesen Gedanken nicht. Jedoch gibt es Kinder und Jugendliche, die sich zu diesem drastischen Schritt entschlossen haben und das Elternhaus oder die Jugendhilfeeinrichtungen verlassen haben. Zu den möglichen Auslösern zählen häufig Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch. Die meisten Kinder und Jugendlichen finden wieder nach Hause zurück, jedoch gibt es auch diejenigen, die es nicht schaffen und somit auf sich alleine gestellt sind.

 

Kinder und Jugendliche kommen dabei nicht plötzlich zum Entschluss abzuhauen, sondern nähern sich langsam der Szene an, welche ihnen zu der Zeit als bessere Option zur Schule und Familie erscheint. So fängt es beispielsweise an, dass sie noch Zuhause schlafen und tagsüber ihre Zeit in der Szene verbringen und mit der Zeit immer häufiger von Zuhause fernbleiben bis sie gar nicht mehr zurückkehren.

 

Dabei treffen Jugendliche diese Entscheidung nicht immer selbst, sondern werden nach Erreichen der Volljährigkeit von ihren Eltern vor die Tür gesetzt. Ein häufiger Grund, dass Eltern keinen Zugriff mehr zu den Jugendlichen aufgrund einer Drogen- oder Alkoholabhängigkeit haben.

 

Obdachlosigkeit unter Jugendlichen

Wie leben Straßenkinder und junge Obdachlose?

Wie bereits angesprochen sind Straßenkinder und junge Obdachlose auf sich alleine gestellt. Um ihr Überleben zu sichern sind viele auf Bettelei, Kleindiebstähle oder sogar Prostitution angewiesen.

 

Aus Einsamkeit gehören viele Jugendliche einer Szene an, um ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung zu befriedigen. Dadurch sind sie häufig einem sehr starken Gruppenzwang ausgesetzt, wodurch sie schnell zum Drogen- und Alkoholkonsum verleitet werden. Laut einer Studie zum Gesundheitsverhalten von obdachlosen Jugendlichen greifen sehr viele regelmäßig und in hoher Dosis zu Alkohol und Cannabis. Je länger jemand auf der Straße lebt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige zu härteren Drogen greift.

 

Andere hingegen suchen nach Anonymität und wechseln deshalb regelmäßig die Städte, in denen sie leben. Zu den bevorzugten Städten gehören laut Off Road Kids Berlin, Frankfurt, Hamburg, sowie größere Städte im Ruhrgebiet.

 

Auf der Straße erleben Straßenkinder und junge Obdachlose sehr viele traumatische Erlebnisse, die sie ihr Leben lang verfolgen. So schilderte der 21-jährige Jones Reportern gegenüber seine Erfahrungen auf der Straße:

„In den dreieinhalb Jahren habe ich Sachen gesehen, die sollte man eigentlich nicht sehen… Wie Leute abgestochen wurden, erschossen wurden, zusammengeprügelt wurden, so dass sie gestorben sind, oder wie jemand sich eine Überdosis Heroin gegeben hat und neben mir verreckt. Aber die Bilder kriegst du nicht mehr aus dem Kopf, danach ist man gebrandmarkt.“

Diese erschreckenden Erfahrungen erleben nicht nur Straßenkinder, sondern auch alle anderen Obdachlosen.

 

Die Folgen der Obdachlosigkeit für Jugendliche unterscheiden sich nicht groß von den der Erwachsenen, jedoch prägen einen die Erfahrungen im Jugendalter deutlich stärker. Hinzu kommt, dass Jugendliche und vor allem Kinder aufgrund mangelnder Lebenserfahrung und Selbstständigkeit es schwieriger haben sich auf der Straße zurechtzufinden. 

Die allgemeinen Folgen der Obdachlosigkeit haben wir bereits in unserem einführenden Beitrag genauer beschreiben und ihr könnt sie euch hier nochmal durchlesen.

 

Was wird unternommen, um ihnen zu helfen?

Es gibt einige Projekte und Hilfsorganisationen, die es sich zum Ziel gesetzt haben Straßenkinder von der Straße zu holen oder sie zumindest zu unterstützen. Eine davon ist die bereits erwähnte Off Road Kids Stiftung, welcher wir uns im nächsten Blog Beitrag widmen werden.

 

In den meisten deutschen Großstädten gibt es Wohnungshilfen und Notschlafstellen, die als Anlaufstelle für obdachlose Kinder und Jugendliche dienen. Darunter gibt es auch spezielle Einrichtungen für Mädchen und junge Frauen. Die zwei am häufigsten in Anspruch genommen Hilfsangebote sind Beratungsstellen und Überlebenshilfen. Insbesondere die Überlebens-hilfen werden von obdachlosen Jugendlichen genutzt um Grundbedürfnisse wie Nahrung und Schlaf zu befriedigen. Beratungsstellen werden hingegen häufiger von wohnungslosen Jugendlichen genutzt, in welchen Sozialarbeiter diese in verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Finanzen, Drogenkonsum und Rechtsfragen beraten. Dabei arbeiten sie auch eng mit den verantwortlichen Jugendämtern zusammen und versuchen die Jugendlichen so gut wie möglich zu unterstützen.